Die landsmannschaftlichen Ursprünge aller Verbindungen liegen in Bologna, Genua, Padua und Prag
Die ersten landsmannschaftlichen Zusammenschlüsse gab es an den alten italienischen Universitäten, sowie der ältesten französischen Universität zu Paris. So stösst man auf die sogenannten “nationes” an der Universität Bologna, Genua, und Padua. Bekannt sind auch die Zusammenschlüsse von “Landsleuten” an der ältesten deutschen Universität, der Karls-Universität zu Prag (1346). Diese Zusammenschlüsse von Studenten kann man mit einiger Berechtigung als Vorläufer der Landsmannschaften betrachten.
Die damaligen Landsmannschaften waren aber nicht so sehr vom ewigen Lebensbund, als mehr vom landsmannschaftlichen Zusammenhalt in der Fremde geprägt. Sie hatten gilden- oder genossenschaftlichen Charakter. Ansätze eines Lebensbund-Prinzips könnte man in der Rede des Sebastian von Rotenhahn, gehalten im Jahre 1501 vor der deutschen “natio” an der Universität Bologna, sehen. Die Rede ist wörtlich bekannt. Darin verlangt Rotenhahn von den Mitgliedern der deutschen natiom die Freunschaft untereinander höher zu werten, als Reichtum oder Macht. es ist sicherlich nicht zu weit gegriffen, wenn man aus dieser Rede schliesst, dass die nationes letztlich doch mehr auf eine Dauerfreundschatf angelegt waren. Wenigstens darf man annehmen, dass man versuchte, diese an italienschischen Universitäten geborenen Freundeskreise auch für die Zeit nach dem Studium zu pflegen. Sie verlangten Beiträge, die für allerlei Zwecke der natio verwendet wurden.
Entstehung deutscher Universitäten und deren Verbindungen
Nach der Gründung der deutschen Universitäten ab 1300 stösst man vielerorts auf studentische Zusammenschlüsse. Die landsmannschaftliche Entwicklung fand eine Parallele in den sogenannten Orden, die hauptsächlich während und nach dem 30jährigen Krieg aufkamen. Diese waren mehr getragen vom Logen-prinzip, welches seine Ursprünge vor allem bei den Freimaurern hat.
Die zweite Epoche
Die zweite Epoche der Gründung von studentischen Korporationen, die den heute bekannten nahe kommen, begann Ende des 18. Jahrhunderts und endete in der März-Revolution des Jahres 1830. Diese Gründungsphase war geprägt vom politischen und geistigen Umbruch der Aufklärung. Politisch ragte in diese Zeit der “siebenjährige Krieg”, die Französische Revolution, die Napoleonischen Freiheitskriege, das Erwachen des Nationalbewusstseins in Europa und das Ende des “Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation” hinein. Langsam aber stetig verschwinden die Allmacht der Kirche, der Stände und Staat der vom Staat reglementierte Merkantilismus und die Leibeigenschaft.
An den Universitäten beginnen die Naturwissenschaften sich von der Hegemonie der christlichen Philosophie zu lösen. Die mystische Alchemie wechselt zur Chemie über, die Physik beginnt, die ersten Naturgesetze in mathematische Grundgleichungen zu bringen.
Die bekanntesten Korporationen sind die Landsmannschaften Sorabia zu Leipzig (1716), jetzt Münster, und Pomerania zu Halle (1782), jetzt Aachen, sowie die Corps Guestphalia/Halle (1798) und Onoldia/Erlangen (1798).
Für die Verbindungen setzte damals die Gründung der “Allgemeinen Deutschen Burschenschaft” auf der Wartburg (1817) durch die vier alteingesessenen Jenenser Lansmannschaften besondere Merkmale. Die “Allgemeine Deutsche Burschenschaft” ist die Geschichte unter dem Begriff “Urburschenschaft” und dem Wahlspruch “Ehre-Freiheit-Kirche” eingegangen.
In dieser Zeit sind die heutigen Burschenschaften mit dem Ziel der deutschen Einigung entstanden. Das nationale Programm basierte auf einer “alldeutsch umschlungenen” Brüderlichkeit, die alle akademischen Kreise vom Studenten bis zum Professor an den deutschen Universitäten umfassen sollte. Diese Urburschenschaft sollte Träger der gesamten deutschen und europäischen Einigung sein. Im Überschwang der Gefühle wurden die Ziele zu weit und zu unrealistisch gesteckt, so dass die Bewegung in der “allumfassenden akademischen Formation” zum Scheitern verurteilt war.
Die dritte Gründerzeit
Die dritte Gründerzeit von Korporationen liegt in der Zeit von 1831 bis 1871. Die Ermordung des Dichters Kotzebues durch den Studenten Sand (1819) löst die Karlsbader Beschlüsse aus, in denen Kanzler Metternich die Staatsgefährlichkeit der “Allgemeinen Deutschen Burschenschaft” verkündet und entsprechende Verbote und Befehle zur Verfolgung derartiger Studentenvereinigungen erlässt. Die Korporationen lebten von diesem zeitpunkt an in unauffälligen Formen weiter, wie wissenschaftliche Vereinigungen, Fachschaften und Studiengruppen.
Bei den neuen Korporationen tritt aber nicht mehr das Verbindende, sondern allein das eigenideologische Prinzip in den Vordergrund. Die Bildung von Dachverbänden trägt zur Erweiterung der vielfach künstlich konstruierten Gegensätze bei.
Neben dem einheitlich unveränderten Ziel der Erziehung zur ehrenhaften, charaktervollen und vaterlandsbewussten Persönlichkeit stellen als spezielle Richtlinien auf:
Die Landsmannschaften bei religiöser und politischer Neutralität den Gedanken der Gleichberechtigung honoriger Menschen (”Reform-Linie”).
Die Corps die Ablehnung jeder religiösen, politischen und wissenschaftlichen Einflussnahme auf die Entwicklung ihrer Angehörigen (”Aristokratische-Linie”).
Die Turnerschaften und Sportgilden die Gedanken Jahns und Friesens (”Linie der körperlichen Ertüchtigung).
Die Burschenschaften die Verpflichtung zur poitischen Betätigung im Sinne einer konstitutionell-parlamentarischen Demokratie (”Liberale-Linie”).
Die konfessionell gebundenen Studentenverbindungen die Bindung an ihre Kirche (”Konfessionell-christliche Linie”).
Die religiös oder ethisch orientierten Korporationen an den christlichen Glauben (”Interkonfessionell-christliche Linie”).
Die Fachgilden die Betonung des Studiums (”Wissenschaftliche-Linie”).
Mit dieser Aufzählung der gruppierungen erschöpft sich das Bild der Studentenschaft der damaligen zeit keineswegs. Politische, völkische, musische, rein geistige und rein gesellschaftliche Zusammenschlüsse, alle jedoch streng voneinander abgekapselt, bieten zugleich ein getreues Spiegelbild der ideologischen Zerrissenheit des 19. Jahrhunderts.
Formierung der Korporationen im heutigen Sinne
Die letzte grosse Gründungswelle erfolgte mit der Reichsgründung 1871. In der Gründung des Deutschen Reiches sahen die jungen Akademiker die Erfüllung der alten urburschenschaftlichen Ziele. Ab sofort unterstützte der Staat die Korporationen. Eine hochblüte folgte und auf dem Rücken derselben auch die immer mit solchen Aufschwungsbewegungen gehenden Auswüchse, wie das “Inverrufbringen”, Händel-Suchen und die wilden Gelage. Die Ära der Verbindungen in der nationalsozialistischen Zeit war wenig glücklich, selbst wenn man davon absieht, dass doch die meisten Korporationen sich gegen den Anschluss an den nationalsozialistischen Studentenbund ausgesprochen haben uns sogar über den Krieg hinweg ihre Selbstständigkeit bewahrt haben.
Das Verbot der Korporationen 1936 war aufgrund des allzu starken politischen Drucks unvermeidlich. Als willkommenen Anlass diente die Verspottung Hitlers bei einem Spargelessen des Corps Saxonia-Borussia zu Heidelberg während einer Radioansprache Adolf Hitlers: “Der hat eine so grosse Klappe, dass er den Spargel quer fressen kann!”.
Von 1933 bis 1945 ruhte das gesamte deutsche korporationsleben. Die Jahre nach der Kapitulation brachten unter den Militärregierungen zunächst ein völliges Erliegen jedes Hochschulebetriebes. Nach Wiedereröffnung verfielen die Korporationen zunächst einer Ablehnung, die teils sogar mit Verfolgung ihrer ehemaligen Angehörigen verbunden war.
Nach Auflockerung der Verbote und Einschränkungen setzt, etwas von 1948 an, ein von vielen völlig unerwarteter Aufschwung der Korporationen ein. Im Zeitraum von zwei Jahren enstehen fast alle ehemaligen grösseren Dachverbände wieder. Die Korporationen werden noch vor den parteipolitischen Studentenorganisationen die stärksten Zusammenschlüsse an den deutschen Universitäten, an denen sie noch bis in die späten 60er Jahre die massgebliche Arbeit in den Asten und anderen Hochschulgremien leisten. Danach haben sich Korporationen durch politische Gruppierungen aus den studentischen Hochschulpositionen verdrängen lassen.

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